Sie wollen helfen?

Spendenkonto

Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V.
Bank für Sozialwirtschaft

BLZ: 10020500
Konto: 32 135 00
IBAN: DE31 1002 0500 0003 2135 00
BIC: BFSWDE33BER 

Stichwort „Boxenstopp“

Spenden-Button des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin e.V.

 
Fachliches: Pädagogische Prinzipien  

Pädagogische Prinzipien

Das Neue an Boxenstopp

Dr. Stefan Schanzenbächer im Klassenraum beim Dozieren

Boxenstopp arbeitet auf der Grundlage von festen Beziehungsangeboten mit verbindlichen Regelungen, deren Nichteinhaltung sanktioniert wird. Die intensive Auseinandersetzung mit den Jugendlichen mit klarer Grenzziehung kennzeichnet die Arbeitsweise. Unsere Pädagogik orientiert sich am konfrontativen Paradigma und distanziert sich von betont einfühlsamen, verständnisvollen und akzeptierenden Ansätzen. Wir sind überzeugt, dass wir dabei den Jugendlichen die Konfrontation bieten, die sie in ihren gewalttätigen Auseinandersetzungen suchen, und stellen uns dazu als Reibungspunkte zur Verfügung. Das ist das Besondere und Neue an Boxenstopp.

Gruppenübung - Kids versuchen auf einer Linie in einer Turnhalle zu balancieren

Das Recht des jungen Menschen auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit als Leitsatz des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (§ 1 Abs. 1 SGB VIII) stellt eine wesentliche Grundlage für unsere Bestrebungen dar.

Dabei ist auf dem Hintergrund unseres christlichen Menschenbildes unser Engagement getragen

  • vom Glauben an die Ressourcen der jungen Menschen
  • von der Überzeugung, dass zum Ernstnehmen die Auseinandersetzung gehört
  • von der Sympathie für die Kinder und Jugendlichen, die uns den ganzen Menschen in den Blick nehmen lässt
  • vom Wissen um das Gute im Menschen

Wesentliche Anforderungen bilden die pädagogischen Prinzipien unserer Konzeption:

  • die Schaffung von emotional sicheren und transparenten Arrangements
  • die Erzeugung von Kontrolle, die die Lebensverhältnisse der Teilnehmer/innen berücksichtigt und nicht Willkür agiert
    die Bereitstellung von Orten, "in welchen stützende Ordnungen zu finden und zu erlernen sind"
  • die Herbeiführung von Konfrontation, die Beschämung erzeugt, aber auch zugleich soziale Kompetenzen stärkt
  • die Einbeziehung von Kollektiven, die Gruppenerfahrung zugänglich macht und Instanzen der Selbstkontrolle etabliert.

Diese Prinzipien sind Bestandteil aller methodischen Umsetzungen des Projektes, die im Folgenden erläutert werden sollen.

Konfrontation als Hilfe - der konfrontative Stil

 

Schüler lesen die in Gelb angeschlagenen Schulhofregeln

"Der Konfrontative Stil ist eine eher direkte, aktive, überredende, suggestive und (je nach der Thematik auch logische) Methodik in der Arbeit mit Menschen, die im weitesten Sinn Probleme mit sich und im Miteinander mit anderen haben" (Schanzenbächer). Er tritt den Ansichten, Verhaltensweisen und Äußerungen der jungen Menschen entgegen, begibt sich in die Auseinandersetzung, bietet Grenzen und Reibungspunkte und fordert unnachgiebig Verbindlichkeiten ein.
Unabdingbar ist damit auch die Frage nach der Qualität des personellen Angebotes verknüpft. Konfrontativ arbeitende Fachkräfte sind Menschen mit festen Persönlichkeiten mit viel Sympathie für aggressive Menschen, deren Situationen zu verstehen sie bereit sind.
Anders als in anderen pädagogischen Ansätzen werden aber Gewalttaten und Delinquenz als Äußerungen individueller Lebens- und Notlagen in die Verantwortlichkeit der Kinder und Jugendlichen selbst gelegt und grundsätzlich abgelehnt.
Der konfrontative Stil orientiert sich an der Lebenswelt von aggressiven Individuen und Gruppen (Gangs) und ihrem Spaß an Auseinandersetzung und Wettbewerb. Gleichwohl ist Voraussetzung konfrontativen Arbeitens die Interventionserlaubnis durch die jungen Menschen. Dann lassen sich handlungs- und erlebnisorientiert Erfahrungen und Einsichten vermitteln, die zu Verhaltensänderungen führen und für viele Kinder und Jugendliche echte Chancen zur Integration eröffnen (vgl. Ferrainola, Heilemann, Weidner u.a.).
Ferrainola, Glen Mills, Philadelphia, USA, betrachtet Delinquenz als Verhaltensproblem und nicht als eine psychologische Krankheit.
Gemäß seinem soziologischen Modell versuchen Jugendliche in ihren negativen Gangs Status zu erlangen, indem sie negatives Verhalten ausüben. In Umkehrung drängt die Bildung positiver Gruppen die Jugendlichen zur Ausübung positiven Verhaltens.

Weitere Infos zum Thema »Fachliches«